Peter Angst liebte es, sich in wilden Landschaften instinktiv zu bewegen. Konzentriert gehen, ungesichert einer Spur folgen, ruft einschiessende Erkenntnis hervor. Dadurch wurde seine Sprache einfach, klar und poetisch. 

Ich schätze Peter Angsts ausgeprägte Wortsorgfalt – es gelingt ihm immer wieder, zu jenen Denkbewegungen hinzuführen, die ihm wichtig sind. Eine Zen-nahe Erfahrung.

                                           Ekkehard Faude, Literat

 

Auf dem Tisch liegt geöffnet das Buch ‚Die Wälder‘. Ich komme zum Stück ‚Das Dorf‘. Auch hier ist die Sprache einfach, klar, kristallin. Ich bin sofort gepackt, bin in starken Bildern. Es ist wie ein intensiver Film, wie Orgelklänge…

                                           Thomas Bauer, Kunstmaler

 

Unsere Gestalt ist Zufall, was uns zu einem Teil der uns umgebenden und alles bestimmenden Natur macht. Wir versuchen sie zwar stets uns unterzuordnen, doch es wird nie gelingen. – Davon schreibt Peter Angst.

                                            Martin Woker, Publizist

 

Beim Lesen von Peter Angsts Gedichten denkt man: „Unerschrocken“ oder: „Aushalten können.“ Die Stille des Waldes aushalten, ein Bild von Rothko, die Unzimperlichkeit der Natur. Unzimperlichkeit der Natur, das heisst auch: das Nahen des Todes. Seine Unerschrockenheit ist befreiend. Diese Freiheit, das ist sein Geschenk.

                     Miklos Gimes, Filmer  und Journalist

„Die Wildtiere“

Habe ich Zeit zum Versauen? sinnierte Peter Angst zwei Tage vor seinem siebenundsechzigsten Geburtstag am Morgentisch. ‚Ich lebe noch! So schreibe ich denn noch eine Erzählung‘, sagte er augenzwinkernd. Fünf Monate später, vier Tage vor seinem Tod war sie fertig.

In dieser rätselhaften Erzählung ging mein Mann der Frage nach, wonach er im Leben aus war, nach welcher Art Bildung. Die Recherche führte ihn zurück in sein vierundzwanzigstes Jahr, als er durch eine Kugel in seine Leibmitte fast tödlich getroffen wurde. Dieses, Psychologen würden sagen, traumatische Erlebnis warf ein Licht auf die Frage, wie lernt der Leib. Nicht das Hirn. Als er zwischen Leben und Tod schwebte, hatte er die Vision eines ockergrauen Bären, der auf einem ockergrauen Erdplatz saftig im grellen Sonnenlicht stand. 

Blieb zwischen Leben und Tod die Zeit stehen?

Es war für Peter Angst ein Zeit strotzender Augenblick, in dem die fürchterliche Realität und die rettende Lebenskraft sich in einem Zukunft weisenden Bild fanden. Diese Vision vermittelte ihm eine neue Sicht auf die für Menschen zentrale Frage „Wer bin ich?“ Fortan erforschte er das Wildtierhafte. Über den Geruchssinn gelangte er zu genauerer Wahrnehmung.

In der Erzählung „Die Wildtiere“ verwebt sich, Leben und Tod, Himmel und Erde, Tag und Nacht, Traum und Wirklichkeit zu einer Einheit. Die Furcht vor dem Tod wird überwunden, nicht zuletzt darum, weil Peter Angst nicht mit seinem Schicksal haderte, nicht an der Frage der Schuld kleben blieb, obwohl das Geschehen in der Erzählung ein Licht darauf wirft. Im Film „Zeitloser Augenblick“, den seine Freunde 87 Tage vor seinem Tod mit uns drehten, sagte er, ich frage mich immer öfter, ob es Kräfte gibt, von denen wir keine Ahnung haben. Er starb am 23. Januar 2018 Zuhause im Beisein einer Freitodbegleiterin, mir und meiner Freundin Evi.

 

Beatrice Häfliger, Oktober 2019